Ermittlungen eingestellt

Fortsetzung

Der Fall Tanja Gräff stand von Anfang an unter keinem guten Stern. So gingen die damaligen Ermittler gleich von einer „Beziehungstat“ aus, bei der die sogenannten Freunde von vorn herein ausgeklammert wurden. Schlimmer noch: Sie wurden Dank ihrer Überaktivität bei der Suche direkt hofiert und nebenbei auch über diesen und jenen Ermittlungsschritt informiert. So konnte es passieren, dass bei einer großangelegten Durchsuchungsaktion an der Bonner Straße zwei Tanja-“Freunde“, einer von ihnen war der angeblich letzte Zeuge, aufgetaucht sind und wild gestikulierend mit anwesenden Polizisten diskutierten.

Ein weiterer Fehler am Anfang der Ermittlungen war, dass der damalige Kommissariatsleiter sich vor zahlreichen Studenten (auch darunter wieder einige Tanja-“Freunde“) hinstellte und genau erklärte, was die Ermittlungen bisher ergaben. Ein Fehler daher, weil jeder, der dort gesessen hat, als Täter in Betracht kam, sofern sie/er das Sommerfest besucht hat.

Der nächste Fehler am Anfang der Ermittlungen war, sich auf die Aussagen der wohl teilweise alkoholisierten „Zeugen“ zu verlassen, die die Spuren genau genommen in zwei Richtungen gelenkt haben – in Richtung eines unbekannten Mannes und in Richtung eines blauen Peugeot mit anscheinend luxemburgischen Kennzeichen. Beides wurde bis heute nicht gefunden.

Als wesentlicher Beweis dafür, dass Tanja Gräff auf dem Fest gewesen sein soll, war ihr Handy. Damit wurde aus der Funkzelle der FH telefoniert. Ob es wirklich Tanja gewesen ist, ist bis heute ungeklärt. Schlimmer noch: Bei der Pressekonferenz zur Einstellung der Ermittlungen kam heraus, dass genau mit diesem Handy eine unbekannte Nummer angerufen wurde. Wem sie gehört, konnte angeblich nicht ermittelt werden.

Soweit die wesentlichen Fehler, die bis zum Auffinden von Tanjas sterblichen Überreste gemacht wurden. Die Liste geht danach noch weiter, wobei der gravierendste Fehler vom Gerichtsmediziner gemacht wurde. Der nämlich stand während eines Dummytestes auf dem Flachdach des Hauses Bonner Straße 74 und beobachtete die Puppen, die vom Weg oberhalb des Felsens in die Tiefe geworfen wurden. Als eine dieser Puppen sich in der Astgabel eines Baumes verfing, war die These von Tanjas Sturz in die Tiefe geboren. Demnach ist Tanja in der Astgabel hängen geblieben und erst später in zwei Teilen auf den Boden gefallen. Bei der Obduktion stellte genau dieser Gerichtsmediziner fest, dass es bei Tanja weder Kopfverletzungen noch Verletzungen, die auf eine Gewalttat hinweisen, gegeben hat. Andere Tötungsmethoden wie Vergiften oder Bauchstich werden gar nicht erst in Betracht gezogen, da sich beides nach 8 Jahren Liegezeit wohl nicht mehr nachweisen lassen.

Unterlassen wurden auch Bodenproben unterhalb von Tanjas Skelett und ein entsprechender Abstrich des Baumes, in dem Tanja angeblich hängen geblieben ist. Damit hätte bewiesen werden können, ob sich der Vorfall so ereignet hat, wie dargestellt und ob Tanja tatsächlich direkt am Fundort lag oder erst später dort abgelegt wurde. Gegen die Baumthese spricht auch, dass sich offenbar keine Aas fressenden Vögel wie Krähen eingefunden haben, denn diese machen einen derartigen Lärm, dass sie nicht zu überhören sind. Das hätte zumindest einer der Anwohner bzw. Spaziergänger auf dem Felsenweg mitbekommen müssen.

Irretierend ist ebenfalls, dass niemand einen Verwesungsgeruch wahrgenommen hat, der bei sommerlichen Temperaturen recht zügig eingesetzt haben dürfte. Allerdings wurde gemunkelt, dass jemand aus dem Haus Bonner Straße 74 ausgezogen ist, weil es so furchtbar stank. Es ist nicht bekannt, ob der Ursache je nachgegangen wurde und ob das wirklich in den besagten Zeitraum fiel.

Zu berücksichtigen ist auch, dass die Stelle, an der Tanja Gräff gefunden wurde, über drei Wege zu erreichen ist, einmal als direkter Zugang über das Haus 74, einmal über die Zufahrt des Hauses 80 (Burschenschaft Marcia) und einmal als Direktzufahrt oberhalb des Felsens direkt bis an den Sicherheitszaun. Die beiden unteren Zugänge wurden von den Ermittlern nie in Betracht gezogen, da nach deren Ansicht das Gestrüpp am Fundort undurchdringlich war. Ob dem wirklich so gewesen ist, wurde offenbar nie richtig geprüft.

Wenn jetzt das Verfahren vorübergehend eingestellt wurde, ist das die Kapitulationserklärung seitens der Ermittler. Es wäre zu empfehlen, eine neue Kommission mit völlig unabhängigen Ermittlern, die weiter weg von Trier kommen, neu aufzurollen und dabei auch die Hinweise zu prüfen, die bis heute völlig unberücksichtigt geblieben sind. Und davon gibt es einige...

Angesichts einer Gesamtbelohnung von 30 000 €uro ist das Ermittlungsergebnis mehr als dünn.

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